Social Franchising – Franchising ganz anders?

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Am vergangenen Freitag, dem 19. September, fand in Wien das 1. Social Franchise Forum statt.

Erstes Social Franchise Forum in Wien

Der Begriff Social Franchising geistert bereits seit einigen Jahren in der Franchisebranche umher, ohne dass jedoch die meisten eine genauere Vorstellung von dem hätten, was sich dahinter verbirgt. Dem entgegengewirkt zu haben, ist nun ganz eindeutig der Verdienst der Veranstalter des ersten Social Franchise Forums in Wien.

Multiplizierung sozialer Projekte

Beim Social Franchising steht, verglichen mit dem, was üblicherweise unter Franchising verstanden wird, weniger die wirtschaftliche Optimierung eines Geschäftsmodells im Vordergrund, als vielmehr die Vervielfältigung sozialer Projekte.

Die Erfinder eines neuartigen sozialen Geschäftssystems müssen zwar auch von ihrer Hände Arbeit leben, im Wesentlichen geht es ihnen jedoch meist darum, ihre Idee mithilfe von Franchisenehmern für einen größeren Kreis entsprechend bedürftiger Personen zugänglich zu machen.

Berührungsängste zwischen Social Franchising und kommerziellem Franchising

Zunächst begegnet das Social Franchising dem Vorurteil, dass es sich dabei ja um kein echtes Franchising handeln könne, denn Franchising sei schließlich eine spezielle Vertriebsmethode. Auch wenn Letzteres faktisch zwar in der Regel richtig ist, so ist dem entgegenzuhalten, dass es sich beim Franchising letztlich um ein bestimmtes Konstrukt zur Vervielfältigung bzw. Multiplizierung eines bewährten und für gut befundenen Geschäftssystems handelt. Im Rahmen einer solchen Definition lässt sich Franchising ohne weiteres auch auf soziale Projekte übertragen. Umgekehrt begegnet den Pionieren des Social Franchising das Vorurteil, man wolle aus dem tollen sozialen Projekt wohl sowas wie McDonald‘s machen.

Wenn man, wie oben versucht, den Begriff des Franchising ganz nüchtern auf das Wesentliche reduziert, so steht dem nicht mehr entgegen, dass die Methode sowohl im Rahmen des Waren- und Dienstleistungsvertriebs, als auch im Rahmen sozialer Projekte anwendbar sein kann.

Best Practise – Beispiele aus der Praxis

Um eine Vorstellung von der Variationsbreite und den Chancen des Social Franchising zu haben, war es hilfreich, im Rahmen der Veranstaltung in Wien mehrere entsprechende Systeme kennen zu lernen. So präsentierten sich dort eine Jobvermittlungsplattform für Behinderte, ein Brustkrebsfrüherkennungskonzept mittels blinder Tastuntersucherinnen, eine Designwerkstatt für arbeitslose Jugendliche, und eine Agentur für so genannte barrierefreie Kommunikation unter Mitwirkung Behinderter. Geradezu typisch für viele dieser Konzepte ist die Einbeziehung behinderter oder anderer schwer vermittelbarer Arbeitskräfte  in Verbindung mit einem Geschäftsziel im Bereich des Sozialen, der Gesundheit, oder der Nachhaltigkeit, so dass sich das Adjektiv „social“ in der Regel meist auf doppelter Art und Weise verwirklicht.

Hürden auf dem Weg zu einem anerkannten sozialen Modell

Im Rahmen zweier Diskussionsrunden – einmal zum Thema Finanzierung von sozialen Projekten und insbesondere sozialen Franchisesystemen, einmal zum Thema Unterstützung derartige Geschäftsideen durch Politik und Wirtschaft – wurde deutlich, welche Hürden es noch zu überwinden gilt auf dem Weg zu einer anerkannten Form der Multiplizierung sozialer Konzepte.

Social Franchising und Franchiserecht

Angesichts der Parallelität bei der Übertragung eines bestimmten Know-hows auf die späteren Franchisenehmer im Vergleich zu den üblichen Franchisesystemen erscheinen zunächst rechtliche Fragen eher unbedeutend. Franchiseverträge im Bereich des Social Franchising dürften von ihrer Grundstruktur her also ähnlich aussehen wie andere Franchiseverträge. Besonderheiten sind jedoch denkbar im Bereich der Gebührengestaltung, im Bereich der Risikotragung im Scheiternsfalle, im Bereich eines eventuellen Investitionsschutzes, und im Bereich der Unterstützungsleistungen durch den Franchisegeber. Denn es ist klar – glaubwürdig wird ein solches soziales Franchisesystem nur dann sein können, wenn der Grundsatz der Partnerschaftlichkeit und der Fairness im Verhältnis zu den Franchisenehmern ebenfalls von dem sozialen Geist der konkreten Geschäftsidee erfüllt ist.

Die weitere Entwicklung in dieser Branche ist mit Spannung zu beobachten. Aufgabe der etablierten Franchise-Wirtschaft wird es sein, sich für solche Systeme zu öffnen und ihnen den Weg zu einer ganz normalen Teilsparte im Bereich Franchising einerseits und im Bereich sozialer Projekte andererseits zu ebnen.

3 Kommentare zu "Social Franchising – Franchising ganz anders?"

  1. Waltraud Martius sagt:

    Lieber Herr Niklas,
    vielen Dank für diesen Bericht und toll, dass Sie in Wien mit dabei waren. Als für den Inhalt dieses 1. Social Franchise Forums verantwortliche Franchise-Beraterin bin ich sehr stolz auf den Erfolg dieser Veranstaltung und Sie haben in ihrem Artikel sehr professionell die Chancen und Risken dieser neuen Form der Multiplikation erfolgreicher sozialer Projekte mit hohem sozialem Impact dargestellt.
    Ich plädiere auch für einen Schulterschluss zwischen dem komerziellen Franchising und dem Social Franchising und denke, dass uns dass in der deutschsprachigen Franchise-Szene gut gelingen wird. Schön, wenn Sie mit dabei sind.
    Herzlichst,
    Waltraud Martius
    SYNCON International Franchise Consultants

    • Liebe Frau Martius, auch an dieser Stelle nochmals vielen herzlichen Dank für die Initiative in diesem Bereich und für die Durchführung dieser spannenden Veranstaltung in Wien. Ich freue mich auf die weiteren Entwicklungen in Österreich und in Deutschland.

  2. Weiterführende Informationen, insbesondere zu rechtlichen Fragen rund um einen Social-Franchisevertrag in meinem Artikel im Franchise-Portal:
    http://www.franchiseportal.de/wcms/binary/Server.dll?Article?ID=292&Session=1-ai7bwP5t-0-IP&guidObject=018192-20141013-125144-01

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